Man hört in unserer Generation und besonders auf dem spirituellen Markt immer wieder einmal und dies ist fast schon zu einem Klischee geworden: „Jesus ist ja ein guter Mann gewesen, aber die Bibel ist von der Kirche so verfälscht worden, da kann man überhaupt nicht mehr wissen, was echt und was aus machtpolitischen Gründen verändert oder einfach weggelassen wurde.“
Wenn man diejenigen, die eine solche Überzeugung vertreten, dann fragt, ob sie denn das Evangelium zumindest in wesentlichen Teilen selbst gelesen haben, stellt man oft fest, dass dies bei den wenigsten der Fall ist. Es wird also eine Behauptung ungeprüft übernommen, nur weil sie vielleicht ganz gut in das atheistische oder esoterische Weltbild passt, ohne sich wirklich klar zu machen, dass es dabei doch um Fragen von allerhöchster Bedeutung für unser Seelenheil handelt. Denn es geht dabei doch nicht nur um „persönliche Glaubensfragen“, sondern eine solche Bewertung reicht hinein bis in das kollektive Bewusstsein von ganzen Völkern und Zeitepochen.
Die Wahrheit ist aber, sowohl nach zahlreichen geschichtlichen Dokumenten als auch nach eingehender Prüfung aufgrund des geistigen Verständnisses dieser Texte von eingeweihten Exegesen und Mystikern, dass so gut wie nichts darin verfälscht wurde, wenn man die ungenauen oder teils schwachen Übersetzungen einmal ausklammert. Dies dürfte ebenso auf das I Ging, die Bhagavad Gita oder das Tao Te King zutreffen, in denen sich in der Essenz viele der gleichen Kerninhalte wieder finden lassen wie im Evangelium, was wiederum ein Zeugnis für den Wahrheitsgehalt aller sogenannten Heiligen Schriften ist.
Anstatt also zu wähnen, es gebe mächtige Interessengruppen in Rom, die aus Eigeninteresse das Wort Gottes verfälscht haben, könnte man mit größerer Logik und Berechtigung sagen: Ja es gibt in der Tat eine sehr mächtige Instanz, in dessen Interesse es tatsächlich ist, die Menschen glauben zu machen, dass die Worte der Bibel mit ihrer überragenden Erlösungsbotschaft verfälscht wurden, um sie damit in ihrer Bedeutung zu relativieren. Den Namen dieser Instanz kennen wir alle: Satan, Luzifer oder schlicht der Teufel!
Was diese „Kritiker“, die wie gesagt einfach etwas vom Hörensagen nachplappern, überhaupt nicht berücksichtigen, ist dass es seit über Dreihundert Jahren eine ernsthafte Geschichtsforschung zu diesem Thema gibt und dass im Laufe der Jahrhunderte über 5800 griechische Handschriften des Neuen Testamentes gefunden wurde, davon ca. hundert aus den ersten vier Jahrhunderten und dass sich diese inhaltlich, bis auf nebensächliche Kleinigkeiten, überhaupt nicht voneinander unterscheiden. Da diese Manuskripte aus dem gesamten Mittelmehrraum stammten, hätten die Bischöfe auf dem Konzil in Nicäa, denen hauptsächlich diese Verfälschungen nachgesagt werden, im Jahre 325 gar nichts mehr verändern können, ohne dass es zumindest der modernen Geschichtsforschung aufgefallen wäre. Zum Vergleich gibt es für Homers berühmtes Werk die „Ilias“ nur ca. 650 griechische Handschriften. Das bedeutet also, dass es für das Neue Testament fast zehnmal so viele Textzeugen gibt und dieses damit wesentlich mehr verbreitet war als das Werk des berühmtesten Griechen des Altertums, und das hängt sicher auch damit zusammen, dass es sich bei den Evangelien ja um Augenzeugenberichte von Menschen handelt, die entweder mit Jesu selbst noch über diese Erde gingen oder orale Informationen noch unmittelbar von Zeitzeugen hatten.
Gott, der Allmächtige, wie man ihn auch nennt, ist also sehr wohl in der Lage seine Offenbarungen zu schützen, wie könnte es sonst sein, dass heute 2000 Jahre nach dem schändlichen Kreuzestod eines damals unscheinbaren jüdischen Zimmermanns, fast jeder Mensch auf der Erde zumindest seinen Namen kennt und dass dessen Geburt sogar zur Zeitrechnung der ganzen Welt geworden ist? Ja, Jesus Christus ist mit Abstand der berühmteste Mensch der Menschheitsgeschichte und ist das nicht bereits ein Wunder für sich, wenn man sich den moralischen Zustand und das gefallene Bewusstsein der Menschheit heute und ebenso vor zweitausend Jahren vor Augen hält?
Jeder der sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigt hat, muss zu der Überzeugung gelangen, dass im neuen Testament die Grundzüge der Lehre des Nazareners nieder gelegt wurden, so erhellend, dass man sie getrost zur Richtschnur für den eigenen geistigen Pfad und nicht zuletzt auch für ein stimmiges Leben machen kann. Unzählbare Menschen haben darin seit Zweitausend Jahren ihr Heil und ihren Frieden gefunden.
Nun ist es aber andererseits auch nicht so, wie uns die Kirchen und viele christlichen Gemeinschaften glauben machen wollen, dass man nun deshalb, weil dies „Gottes heiliges Wort“ sei, einfach alles glauben muss, was darin steht. Nein, es geht vielmehr darum, sich erst einmal ehrlich und ernsthaft auf diese „frohe Botschaft“, wie sie auch genannt wird, einzulassen und dann mit dem eigenen inneren Wahrheitsbewusstsein und Gewissen, das Gott in uns hineingelegt hat, zu prüfen, ob wir darin die ewige Wahrheit finde können.
Noch etwas anderes ist bei diesem Thema ganz essentiell wichtig zu verstehen. Die Bibel ist nicht, so wie es viele fundamentalistisch Glaubende gerne darstellen, ein Regelwerk für richtiges gesetzestreues, moralisches Leben, aber auch kein Märchenbuch für geistig Zurückgebliebene und ebenso wenig ein Geschichtsbuch mit nur faktischen Tatsachen. In letzter Instanz ist sie nicht mehr und nicht weniger als eine geistige Geheimschrift, für all jene Menschen, die schon ein gutes Stück auf dem Weg der Wahrheit vorangekommen sind, also wenigstens zu einem Teil bereits geistig wiedergeboren sind ( Johannes 3, 1-21 ). Die Bibel trifft im Kern mitten ins Herz dessen, worum es in diesem Leben auf dieser Erde sinnhaft geht. Wenn man sich darauf einlassen kann, ist es so, wie geschrieben steht:
„Abermals ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ ( Matthäus 13,44 )
Diese Perle ist also so kostbar, dass jedem, der sie gefunden hat alles andere als nachrangig oder sogar wertlos erscheint.
Aber auch hier muss man sehr aufpassen, dass man nicht erneut einem Irrtum verfällt. Nicht diese Worte in ihrem wörtlichen Sinn sind der kostbare Schatz, wie es einem insbesondere der verweltlichte Teil der Kirchen glauben machen wollen, sondern unser inwendige, göttliche Christusgeist, der mit dem Geist der Heiligen Schrift im Verhältnis steht wie das Sonnenlicht zum Mond, den es bescheint. Der Mond leuchtet in der Nacht zur Orientierung, aber die Sonne erst schenkt ihm ihr Licht und bescheint darüber hinaus am Tag die ganze Welt und spendet ihr den Lebensodem. Es bedarf also schon eines großen Ernstes, der heute leider in dieser schnelllebigen Zeit der plakativen Informationen und des kecken Urteilens selten geworden ist, wenn man sich daran machen will ein wohl begründetes Urteil über die Wahrheit und Authentizität der Heiligen Schrift und über das Leben Christi zu fällen.
Yehudi



